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Ausgeglichenheit kann nicht erzwungen werden. Aufgeregte Menschen, Menschen, die unter Druck stehen, egal ob klein oder erwachsen, sind nicht in der Lage harmonische Schreibweisen an den Tag zu legen. Wer das verlangt, überfordert.
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Viele Kinder (vor allem Jungen) strengen sich beim Schreiben-lernen so an, dass die Finger krampfen und die Schrift gerade WEGEN der Mühe, die sie sich geben, immer unlesbarer wird. Diese "Krampfhand" kann bis zum Erwachsenenalter erhalten bleiben.
Schreiben lernen ist – und das wird ständig außeracht gelassen - hochgradig emotional. Schreiben-lernen ist reine "Gefühlssache". Denn - im Gegensatz zu Lesen, Rechnen, Malen und Zeichnen - ist Schreiben gezwungenermaßen unmittelbar und unausweichlich an die bewußten und unbewußten Emotionen, also an die Befindlichkeit des Kindes gebunden. Kinder brauchen deshalb beim Erlernen der Schreibbewegung in erster Linie eine ruhige Hand.
Achtung: Auch schnell schreiben führt nicht automatisch zu fließenden Schreibbewegungen, wenn die Bewegung nicht stimmt.
Das Erlernen und Verinnerlichen der Schreibbewegung, die für jeden einzelnen Buchstaben erforderlich ist, ist ebenso wichtig, wie das Trainieren, der Buchstaben-Verbindung. Denn erst aus dieser Fließbewegung heraus wird die eigentliche Handschrift entstehen.
Ein großes Thema ist auch die Feinmotorik der kleinen männlichen Menschen, die oft nicht so "fein" ist, wie die der Mädchen. Den Jungen einen Vorwurf zu machen, ist ungerecht und sinnlos. Es wäre ungefähr so, als würde man nicht unterscheiden zwischen hoher (weiblicher) und tiefer (männlicher) Stimme. Sie sind naturgegeben. Das sollte auch bei der Kinderhand-Schrift berücksichtigt werden. Mehr noch: Die natürliche Handschrift ist etwas höchst Persönliches, und deshalb kein Maßstab für andere. Sie darf nicht mit anderen Schreibweisen verglichen und schon gar nicht gegen andere ausgespielt werden, wie zum Beispiel "Deine Schwester/dein Bruder hat eine schönere Schrift". Solche Kommentare sind unfair und verletzend.
Gelegentlich erleben wir echte Katastrophen-Fälle. Aber noch nie haben wir einen hoffnungslosen gesehen. Den gibt es nämlich nicht.
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