Wenn es um Schreiben geht, heißt es oft "Jungen hinken Mädchen eben immer etwas hinterher". Das ist falsch. Jungen sind Jungen – Jungen sind keine "langsamen Mädchen".



Die Schriftproben der Jungen, die uns als besonders katastrophal geschildert wurden, hatten fast alle dieselbe Auffälligkeit: Die Jungen hatten das (Zickzack)-Prinzip der VA absolut richtig verstanden, sie verfügten sogar über ein besonders gutes Formverständnis (man kann es auch Formgefühl nennen), ihnen wurde nur nicht genug Ruhe und Zeit zum Üben gegeben.

Dazu muss erklärt werden, dass die VA ein Mix ist aus der Deutschen Normalschrift, Druckbuchstaben und Elementen der 100 Jahre alten Sütterlin-Schrift, die den Duktus der VA dominiert.



Kleine Kerle entwickeln daraus eine Art "EKG-Schreibweise" - Handschriften mit nach oben und unten ausschlagenden Zacken, die Schrift mäandert nicht (wie die Bleistiftschrift unten), sondern schlägt aus. Und das ist auch richtig so. Jedenfalls hat der VA-Erfinder Grünewald die Buchstabenvorlage (siehe oben im Kasten) genau so designt. Die VA ist in Anlehnung an die "rauf-runter-rauf-Pünktchen-drauf"-Sütterlin-Schrift entworfen worden, und genau das machen die Burschen. Sie halten sich genau ans Design. Dass das kaum lesbar ist, liegt nicht am Kind, es liegt am Design.