Postkarten sind wie eine Umarmung auf Papier - Interview 7.7.2018 - Autor: Sira Huwiler

Auch in WhatsApp und SMS-Zeiten sind Urlaubs-Postkarten nicht out: Jeder zweite Deutsche verschickt 2018 wieder handgschriebene Nachrichten an geliebte Menschen zu Hause. Warum sie so guttun, sagt unsere Expertin.

Ein weißer Sandstrand mit türkisblauen Wellen, hohe Wolkenkratzer in New York, eine romantische Kapelle umgeben von Zypressen in der Toskana – Postkarten gibt es in unzähligen Ausführungen. Mal witzig, mal imposant, mal laden sie zum Träumen ein.

Aber eines haben alle gemeinsam: "Sie berühren unser Herz, wie keine andere Urlaubsbotschaft – weil sie ganz persönlich ausgesucht, beschriftet und beklebt wurden", weiß Susanne Dorendorff, Autorin des Buches "Handschrift ante portas - schreiben macht glücklich" (BoD 2018), "das gibt dem Empfänger das Gefühl wichtig und wertgeschätzt zu sein – wie eine kleine Umarmung auf Papier, die zeigt: 'ich habe mir Zeit genommen und an Dich gedacht'."

Knapp jeder zweite Deutsche (48,5 Prozent) verschickt laut einer aktuellen Studie (Rewe Reisen) auch 2018 gerne die nostalgischen Urlaubsgrüße an Freunde, Verwandte und Kollegen. 51,4 Prozent senden lieber Fotos und Smileys per Whatsapp, 12,3 Prozent telefonieren mit den Daheimgebliebenen.

"Im digitalen Zeitalter ist eine Grußbotschaft per Klick auf dem Smartphone zum routinierten Alltag geworden", sagt die Expertin, "handgeschriebene Worte mit liebevollen Verzierungen sind hingegen etwas Besonderes – ein intimes Souvenir, das man mit allen Sinnen fühlen und sich an die Wand oder den Kühlschrank hängen kann."

Und wer findet es nicht schön, wenn mal nicht nur Rechnungen aus dem Briefkasten flattern? Die gute Nachricht: Nur 14 Prozent der Bundesbürger halten die Postkarte für altbacken. Dorendorffs Tipp: "Nicht nur in der Urlaubszeit erwärmen handgeschriebene Worte das Herz – auch eine Gruß- oder Dankeskarte zwischendurch macht dem Empfänger Freude und schafft innige Nähe."