Was ist Graphologie?



...alles aus einer Hand - jedes Mal ein anderer Charakter? Multible Persönlichkeit? Natürlich nicht.


Uns ist kein Graphologe und auch keine Grafologin bekannt, der oder die etwas unternommen hätte, um die Menschen von dem Gefühl der Bedrohung zu befreien, das die Schriftdeuterei allenthalben verursacht. Es scheint, als sei die Furcht verbreitende Aura und wahrsagerische Geheimnistuerei, die bei Betroffenen Drangsal und Panik auslösen kann, fester Bestandteil, wenn nicht gar Voraussetzung grafologischer Arbeit. Ist die Qual des Probanden, sein handschriftlich Ausgeliefertsein vielleicht das, was SchriftdeuterINNen antreibt, weil es ein so hohes Machtpotential hat?

Laut eigener Aussage "bestimmen" Graphologen anhand der Handschrift die Charakter-Merkmale des Menschen. Das heißt, sie glauben, aus dem Aussehen des fertigen Schriftbildes Schlüsse ziehen zu können, die die "Persönlichkeit" des Schreibenden ausmachen (soll). Man kann graphologische "Diagnosen" annehmen oder nicht, man kann sich darin wiederfinden oder nicht. Jedenfalls stellen Graphologen Aussagen in den Raum, die geeignet sind, zur Triebfeder gesteigerter Diskriminierung der Handschrift zu werden, zum Beispiel wenn es heißt: "Eine kleine Schrift stammt von einem Menschen mit geringem Selbstbewusstsein" oder: "Schrift mit ausgeprägten Ober- und Unterlängen weist auf einen starken Geltungsdrang (Selbstüberschätzung) hin." Solche Aussagen verunsichern nur. Handschriften-Deutung ist keine anerkannte Wissenschaft. Auch sind graphologische Interpretationen der Handschrift unseres Erachtens nicht geeignet, bei Personalentscheidungen mit zu wirken. Von Charakter-Deutung via Internet raten wir ab - lesen Sie dazu von Sarah Marth Graphologie: Prinzip Zufall oder seriöse Persönlichkeitsanalyse (siehe Linkliste). Obwohl in der Schweiz noch angewandt, verliert Grafologie im Zeitalter von Neurobiologie und wissenschaftlicher Persönlichkeitsforschung mehr und mehr an Bedeutung.

Auf Managerebene gibt es neuerdings die Tendenz, aus der chinesisch-japanischen Schreibkultur - die kultivierte Handschrift traditionell als Zeichen hoher Bildung ansieht - diese Wertschätzung zu übernehmen. Das heißt, der optische Gesamteindruck einer Handschrift fließt in die Bewertung der Persönlichkeit ein, weil sie Aufschluß gibt über das kulturelle Bewußtsein (Bildungsgrad) des Menschen. Es ist von Bedeutung, ob die Schreibweise kultiviert ist oder "pubertär" wirkt. Mit Charakter-Deutung wie in Europa wird das nicht in Verbindung gebracht. Auch nicht mit Kalligrafie. Denn mit "Schönschrift" würde sich jeder Manager lächerlich machen.

Mehr dazu in der ZEIT:

community.zeit.de/commentsection/url/online/2008/49/grafologie-digitales-zeitalter

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