"Wie man Spuren ins Gedächstnis schreibt" von Céline Lauer | Redakteurin /Wissen

Auszug:

Die Handschrift lässt sich nicht einfach ersetzen – weil sie ein Teil unserer Körpersprache ist, sagt Susanne Dorendorff: „Die Handschrift ist der einzige menschliche Ausdruck, der sich spontan materialisieren lässt. Deswegen möchten so viele Menschen gerne schön schreiben können – weil man sich darin spiegelt.“

Dorendorff ist Dozentin für Schrift und Schreibkultur, Buchautorin und Handschrift-Coach; mit Schönschreiben oder Trends wie Hand-Lettering – so heißt das kunstvolle Zeichnen und Ausmalen von Buchstaben – haben ihre Kurse jedoch nichts zu tun.

Dorendorff geht es darum, aus schlechten Handschriften gute zu machen – bei Kindern, aber gerade auch bei Erwachsenen. Denn wer in der Schule nicht gelernt hat, unverkrampt zu schreiben, nimmt sein Gekrakel meist ins Berufsleben mit.

Dorendorff sagt, der Großteil ihrer Klientel sei männlich; oft fänden sich darunter Manager und Führungskräfte. „Wenn diese Männer mit ihren teuren Füllern in Konferenzen gehen und wie Fünftklässler kritzeln, ist ihnen das sehr peinlich“, sagt sie. „Die meisten haben Scham und Angst vorm Schreiben.“

Im Coaching lernen diese Klienten, ihre Schrift „neu zu programmieren“, wie Dorendorff es nennt: Sie entwickeln eine schnelle und fließende Handschrift, die dabei aber authentisch bleibt. „Eine stimmige Handschrift muss weder groß noch ausladend sein“, sagt Dorendorff. Vielmehr müsse sie zu der Person passen, die sie schreibt. Diese Authentizität mache das Schreiben von Hand so besonders – gerade im Computerzeitalter. „Es geht dabei um Poesie, um das, was der Mensch sich nicht nehmen lässt: Sinnlichkeit und Sinnhaftigkeit.“